Initiationen durch die Jahreszeiten 1. Teil

Was geht es MICH an?

...wenn heute irgendjemand von Naturvölkern spricht und ihrem wertvollen, uralten Schatz an natürlichen und spirituellen Informationen?

Die Antwort ist ganz einfach: tief in unserem Inneren, verfügen wir über den genau gleichen Schatz. Sommer, Herbst, Winter, Frühling. Wie wirken sich die 4 Jahreszeiten auf unsere menschliche Natur aus? Wie viel oder wie wenig können wir uns in sie "hinein begeben"?

 

Es ist offensichtlich, dass wir Menschen ohne die Bezogenheit auf die Jahreszeiten niemals überlebt hätten. Doch heute sind wir an einem Punkt angekommen, wo manch dazu gewonnenen Erkenntnisse und Fähigkeiten keinen besonderen natürlichen Wert haben, und das Bewusstsein für die vorhandenen Naturgesetze im Massenbewusstsein der modernen Welt stark eingebüsst hat.  Das Leben in einem Übermaß unbewusst eingesetzter Technologien und die wachsende Unwissenheit über natürliche Abläufe, lullen unser Denken ein. Die Jahreszeiten beeinflussen seit eh und je die Art und Weise, wie wir uns selbst und unser Umfeld wahrnehmen. Wir schauen  durch die Augen des Sommers und sehen den Sommer IN UNS SELBST widergespiegelt. Genauso nehmen wir uns durch den Herbst, Winter und Frühling wahr. Und wie die Jahreszeiten selbst, sind diese sowohl voneinander verschieden als auch gemischt. Die Wahrnehmung des Sommers vermischt sich mit vergangene Sommer, die den gegenwärtigen Sommer erkennt, und den künftigen vorhersagt => Kreise drehen sich, in jedem von uns, und in allem was ist. Dabei entstehen unterschiedliche Sommer in vielen persönlichen und individuellen Variationen Jahr für Jahr. Anteile des Sommers wirken in den Herbst hinein, Anteile des Herbstes in den Winter, und der Winter wirft gerne seine Schatten in den Frühling => die Kreise drehen sich und wir uns mit ihnen, genauso wie die Erde sich dreht. Die Wechselseitige Abhängigkeit der Jahreszeiten ist keine Phantasie, denn ohne alle vier, würde das Leben nicht existieren. Und wir sind ebenso der physische, psychische, mentale und spirituelle Stoff der Jahreszeiten, und niemals getrennt davon.

 

Manchmal tragen wir die Reife des Herbstes in uns, beim Übergang vom Kind zum Erwachsenen. Manchmal tragen wir den wonnevollen, unbeschwerten Sommer in uns, weil wir nicht so erwachsen sein können, wollen oder müssen. Manchmal tragen wir den weisen Winter in uns, weil wir viel Lebenserfahrung dazu gewonnen haben, und voll und ganz erwachsen sind. Und dann kommt der Frühling und erneuert uns wieder auf vielseitige Art und Weise. Je nach Entwicklung oder Lebensphase, tritt eine Jahreszeit in den Vordergrund, und wie alles natürliche Leben ist es so, dass Menschen nicht nur durch die Jahreszeit gehen, sondern auch durch Übergänge und Durchgänge. In früheren Kulturen wurde man von weisen, reifen Menschen dabei begleitet und unterstützt. Diverse Riten, Initiationen und Feste rundeten diese Übergänge ab und halfen den Menschen dabei erwachsen zu werden und sich weiter zu entwickeln. Das fehlt uns heute. Ängste und Zweifel ausgleichen, sich als Teil dieses Großen und Ganzen wahr zu nehmen, Ego Identifikationen aufzulösen, die richtigen Aufgaben zu erfüllen und seinen Platz in der Mitte zu finden => das bedeutet Überleben. Ausgewogenheit = Überleben. Die Unausgeglichenheit auf unserem Planeten lässt uns übersehen, dass wir nach wie vor Knoten im weitläufigen Netzwerk der Natur sind. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass es gezielt ausgeblendet wird, und unsere Ängste und Zweifel noch stärker geschürt werden, je mehr wir uns bemühen sie hinter uns zu lassen. Nur selten ahnt mancheiner, dass unsere Getrenntheit von uns selbst, von dem, was wahrhaftig ist, die Wurzel allen Chaos und aller Lieblosigkeit ist. Das Getrennt sein ist eine Illusion in der wir leben, und gibt uns Tagesabläufe und Seinsweisen vor, die mitunter auch immer wieder leidvoll sein können. Dort hinzusehen, die Schuld nicht mehr im Außen zu suchen, sich stattdessen nur ums eigene Innere zu kümmern und mit sich selbst ins Reine zu kommen, ist die Kunst des Überlebens. Nicht nur für den Einzelnen, sondern für diesen Planeten.

 

Der Sommer ist die erste Jahreszeit, die wir uns etwas näher ansehen wollen. Wie herrlich ist das Gefühl schwärmender Geruhsamkeit oder auch Rastlosigkeit, im strahlenden grünen Blätterwerk und Sonnenlicht. Die Welt ist erfüllt von instinktivem Leben. Es pulsiert in den Adern, der Gesang des Lebens in der 37 Grad Sommerglut. Der Sommer birgt den erotischen Impuls, das Spiel und Wechselspiel der Sinnlichkeit und des Begehrens, das die Fortpflanzung der Spezies sichert. Der Sommer wirkt athletisch, in körperlichem Sinne erdverbunden, gefühlsbetont und freimütig. Während wir schnaufend und schwitzend unserer Tätigkeiten nach gehen, werden wir an das verbunden sein mit unserem Körper erinnert. Vieles erscheint jung, man möchte wild drauf los leben. Im grellen Sonnenlicht wirkt alles enthüllt, die Haut ist beleuchtet, der Körper beherrscht den Geist, es fällt uns schwer klar und vernünftig zu denken. Wir wollen haben, wir wollen Fülle und Unbeschwertheit. Und wir erinnern uns an die Sommer, welche wir in der Kinder- und Jugendzeit erlebt haben. Natürlich mag die Hitze uns zusetzen aber sie tut es vor allem auch dann, wenn wir nicht locker lassen können, wenn wir uns dem Sommer nicht hingeben können, weil wir ein Übermaß an Vernunft und Leistung aufbringen müssen, obwohl alles um uns herum danach schreit uns endlich fallen zu lassen. Doch der Herbst bringt es ohnehin mit sich, dass wir uns bald wieder besinnen und an die Arbeit machen müssen. Und der Herbst drängt die Seele wieder mehr in den Vordergrund. Denn mit dem Fallen der ersten Blätter und der sich wandelnden Natur wird uns bewusst: Alles ist vergänglich.

 

Manchmal gibt es fast keinen Sommer, weil das Wetter nicht so mitspielt, und die Jahreszeit fast ohne Anklang in den Herbst übergeht. Oder weil wir uns dem Sommer mit unserem inneren Naturwesen nicht hingeben konnten. Einige wollen den Sommer nicht los lassen und nicht in den Herbst übergehen. Weder im Inneren noch im Äußeren, weil der Sommer in unserer Kultur durch den "ewig jung sein Kult" generell etwas aufgebläht ist, und viele trotz fortschreitendem Lebensalter nie in den Herbst und Winter übergehen wollen. Ist eine Jahreszeit auf die Dauer zu stark ausgeprägt, ist meistens die gegenüberliegende zu schwach ausgeprägt. In so einem Ungleichgewicht kann sich das Rad der Jahreszeiten aber nicht drehen, und deshalb braucht es die Initiationen die uns ins Gleichgewicht bringen. Frühere Kulturen waren sich dessen voll und ganz bewusst und nur noch wenige Naturvölker auf dieser Erde leben, gestalten und unterstützen derartige Übergänge, durch besondere Riten, für die innewohnende und sich entwickelnde Natur. Welche Riten und Initiationen das sind und waren, vor allem auf die Jahreszeit Sommer bezogen, betrachten wir im nächsten Artikel.